Fußball ist gesund

„Unaufhörlich prasselt der Regen hernieder, es ist schwer, aber die Zuschauer harren aus.“ Dieser legendäre Satz aus der Endspielreportage von Herbert Zimmermann gilt am Samstagmorgen auch an der Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken: Es ist Fritz-Walter-Wetter.

Zehn Mannschaften aus ganz Deutschland haben sich für die Finalrunde des DFB-Ü 50-Cup qualifiziert und die Stimmung auf dem Platz ist so, als ginge es um die Weltmeisterschaft. Auf der rechten Seite dribbelt sich Uwe Morgenstern von der Spielergemeinschaft Neuhausen / Cämmerswalde / Deutschneudorf in den Strafraum. Er wird später zum Spieler des Turniers gewählt, jetzt jedoch, im ersten Spiel, nimmt ihm ein Verteidiger von TuS Göllheim mit einem lupenreinen Tackling den Ball vom Fuß.

 "Fußball kann man bis ins hohe Alter spielen, sagt  DFB-Vizepräsident Rainer Milkoreit , „und es hilft dabei, fit zu bleiben“.  Das findet auch die BZgA, die den Ü 50-Cup zusammen mit dem DFB ausrichtet. Trotz aller Gesundheitsappelle und Fußballbegeisterung vor dem Fernseher bewegen sich ältere Menschen nämlich viel zu wenig und das wirkt sich auf die Lebensqualität im Alter aus.

Am Rande des Turniers diskutierten Altersforscher und Sportmediziner,  ob die Situation durch Fußball zu ändern wäre. Das Ergebnis: Kaum eine andere Sportart ist besser geeignet, um die Gesundheit und die Lebensqualität zu steigern. Das Verletzungsrisiko, das es freilich auch gibt, wird durch die positive Wirkung des Fußballs mehr als aufgehoben.

Prof. Dr. Jürgen Scharhag von der Universität des Saarlandes konnte eindrucksvoll belegen, dass Fußballtraining eine der höchsten Belastungsintensitäten unter allen Sportarten bietet. Spieler würden die körperliche Anstrengung vor allem oft gar nicht als solche wahrnehmen, weil ihre Gedanken vom Spiel und Wettkampf abgelenkt würden.

Gesundheitliche Risiken gebe es zwar auch, wie Scharhag einräumt, statistisch gesehen seien schwere gesundheitliche Schäden im Fußball aber nicht höher als in anderen Sportarten. Kegeln sei — statistisch gesehen — der deutlich gefährlichere Sport. Dennoch empfiehlt Scharhag Spielern im Ü-Bereich eine Sporttauglichkeitsuntersuchung bei ihrem Hausarzt durchzuführen und unerkannte Herzschäden auszuschließen.

Gerade ältere Männer sind Bewegungsmuffel und wenn sie nicht Fußball spielen, machen sie gar nichts. Dies ist auch der Grund, weshalb die BZgA mit ihrem Programm „Älter werden in Balance“ den DFB-Ü 50-Cup unterstützt. „Die Spieler seien zwar noch etwas jung für uns“, wie die verantwortliche Referentin Claudia Jansen augenzwinkernd zugibt, „uns ist es aber wichtig, die Spieler zu erreichen, bevor sie in Rente gehen“.

Der Übergang vom Beruf in die Rente sei der entscheidende Moment, wie Prof. Dr. Eckart Hammer von der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg deutlich machte. „Zeitliche Strukturen und soziale Beziehungen brechen weg, der ewige Sonntag lässt den Alltag oft schal werden“. Frauen hätten deutlich stabilere soziale Netzwerke, so Hammer, und würden im Alter von der Angewohnheit profitieren, dass sie sich oft einfach nur zum Plaudern träfen.

Wenn Männer aber Männer treffen wollten, brauchen sie meist ein Medium und da sei Fußball mit seinen sozialen Bindungen besonders geeignet. Fußball macht einfach Spaß und das, so der ehemalige Olympia-Leichtathlet Dr. Harald Schmid, sei immer noch der alles entscheidende Faktor. „Wer Sport als anstrengend empfindet, den bekommen wir nicht in die Bewegung“, so Schmid. Das Entscheidende sei die Einstellung im Kopf und da müsse mancher seine Schalter umlegen.

Dreimal die Woche sollte man sich für eine Stunde sportlich betätigen. Das war das Fazit der Fachtagung. Der hohe Ausdaueranteil im Fußball und der Spaßfaktor des Mannschaftssports seien dabei besonders günstig.  „Endlich sagt es mal jemand“, freut sich Klaus Jahn, Vorsitzenden des DFB-Ausschusses für Freizeit- und Breitensport: „Fußball ist gesund“!  

Draußen auf dem Platz der Hermann-Neuberger-Sportschule gibt es keine Bewegungsmuffel. Wer sich nicht bewegt, bekommt augenscheinlich Ärger mit seinem Torwart. Die Sachsen von der Spielgemeinschaft Neuhausen-Cämmerswalde/Deutschneudorf sind nur Gruppendritter geworden. Wie die deutsche Nationalmannschaft 1954 können sie in der Vorrunde noch nicht recht überzeugen. Keiner ahnt, dass sie am nächsten Tag deutscher Meister sind.